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ANDREAS GROSSE HALBUER: „DAS DING IN MEINEM KOPF“
„Dies ist also die Geschichte, wie ich lernte mit dem Grizzly namens Parkinson zu leben.“ Das sagt Andreas Grosse Halbuer im Prolog seines Buches über die heimtückische Krankheit, die ihn heimsuchte und seine gesamte Existenz umkrempelte.„Das Ding in meinem Kopf. Mein Leben mit Parkinson“ lautet der Titel und der Spitzenjournalist stellt schnell klar, dass er eben nicht einer von diesen älteren Menschen ist, die nur noch trippelnd laufen und deren Hände zittern. Ganze 40 Jahre war er, als er die niederschmetternde Diagnose bekam. Ein Zweimetermann mit 100 kg Gewicht, beruflich ganz oben und erst seit kurzem verheiratet, und dann das „Urteil“: Lebenslänglich ohne Bewährung, denn diese degenerative neurologische Krankheit ist unheilbar.Schon mit etwa 38 Jahren hatte er Symptome, die unübersehbar darauf hindeuteten, dass da etwas grundlegend mit seinem Körper nicht stimmte. Alle Arztbesuche brachten es jedoch zunächst an den Tag, zumal er doch so jung war. Nach jenem 4. Dezember 2012 mit der Erkenntnis der bitteren Wahrheit fiel Grosse Halbuer in ein tiefes Loch. Um so wichtiger war die Haltung von Ehefrau Steffi, die für sein weiteres Durchhalten ganz und gar lebensnotwendig wurde.Sehr persönlich, zugleich jedoch sachlich und dabei ohne Larmoyanz schildert er die sich immer weiter ausbreitenden schweren Eingriffe der Krankheit in sämtliche Abläufe des Körpers. Zielgerichtetes Handeln wurde zunehmend unmöglich, weil Parkinson völlig unberechenbar macht, was am Tag möglich ist und was nicht. Sehr eindringlich beschreibt Grosse Halbuer das Auf und Ab, wenn er zum Beispiel in der Nacht nur unter großen Mühen den Weg zur Toilette schafft, später aber die vier Kilometer zur Arbeit mit dem Rad bewältigt. Und eines ist unumstößliche Tatsache geworden: „Parkinson hat mich zur Langsamkeit gezwungen.“Doch die Zwangsbremsung seines Lebens nimmt rapide und derartig zu, dass ihn nicht nur massive Depressionen sondern auch die immer gravierenderen Ausfälle an den Rand der Lebensunfähigkeit bringen. Letzte Rettung vor einem Leben als hilfloser Pflegefall bietet schließlich eine komplizierte Operation an der Berliner Charité. In der wird ihm 2020 ein Neurostimulator mit steuerbaren Elektroden ins Hirn implantiert. Der sorgt fortan für sogenannte Tiefe Hirnstimulationen – der Patient steht quasi, salopp ausgedrückt, „unter Strom“.Und tatsächlich gibt der Stimulator mit seinen steuerbaren elektrischen Impulsen derartig viel Lebensfähigkeit zurück, dass er auch wieder arbeiten kann: eine Art Wiedergeburt. Doch Grosse Halbuer lässt auch keinen Zweifel daran, dass ein schwerstkranker Mann ist. Der aber mithilfe der modernen Medizin damit leben kann. Und dank des Zusammenhalts mit seiner starken Ehefrau und den beiden Töchtern, wie er ebenfalls zum Abschluss dieses ebenso fesselnden wie berührenden Eigenberichts unmissverständlich erklärt.
# Andreas Grosse Halbuer: Das Ding in meinem Kopf. Mein Leben mit Parkinson; 186 Seiten; Ullstein Verlag, Berlin; € 24,99

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)