
FREIDA McFADDEN: „DIE EHEFRAU“
Freida McFadden stellt auch mit ihrem jüngsten Thriller unter Beweis, wie sehr sie es versteht, die Leser zu packen und bis zuletzt rätseln zu lassen, wem man denn nun eigentlich trauen kann.„Die Ehefrau“ lautet der Titel, doch schon mit dem Titelzusatz wird Misstrauen geschürt: „Was hat sie zu verschweigen?“. Dabei serviert die US-Bestsellerautorin die Geschichte zwischen einem Erstickungsanfall am Anfang und einem am Ende. Der erste wird dabei zum Glücksfall für Sylvia Robinson, als sei eine alte Dame durch beherztes Zupacken vor dem Tode rettet. Nach einer Trennung völlig abgebrannt, wird der attraktive Adam Barnett Zeuge der Heldentat der 25-Jährigen. Und er macht ihr an Job-Angebot, das zu schön erscheint, um wahr zu sein.Seine Frau Victoria ist seit einem Unfall vor einigen Monaten ein Pflegefall und er braucht eine Person, die sich tagsüber um sie kümmert, wenn er nicht zugegen sein kann. Äußerst einträglich würde es sein und wegen der großen Entfernung von New York würde Sylvia auch im Haus wohnen können. Nach den schlechten Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben spürt sie zwar tief drinnen ein drohendes Unheil, aber das Angebot ist einfach zu verlockend, um es auszuschlagen.Das Haus in Montauk an der Ostspitze von Long Island erweist sich als sehr groß und toll eingerichtet. Kein Wunder, ist Adam Barnett doch ein Bestsellerautor. Und er liebt seine Frau so sehr, dass er sie daheim pflegt, obwohl sie ein Schwerstpflegefall ist. Sylvia erkennt, dass Victoria eine Schönheit war, durch den schweren Treppensturz erlitt sie jedoch ein Schädel-Hirn-Trauma mit fatalen Folgen. Rechtsseitig gelähmt, kann sie außerdem auch nur brockenweise sprechen und ein Auge steht falsch. Narben haben ihr Gesicht entstellt und nur mühsam lässt sie sich füttern.Besonders unwillig aber reagiert sie, wenn ihr Adam abends über die Magensonde ihre Medikamente verabreichen will, die sie sedieren, um Krämpfen vorzubeugen. Zu Sylvia dagegen scheint sie sogar eine heimliche Art von vertrauen zu entwickeln, denn bald weist sie mit Augenzwinkern auf etwas Verstecktes hin. Tatsächlich findet Sylvia in einer Schublade ein kleines Tagebuch und allmählich und bruchstückhaft lernt sie die Geschichte dieser Ehe kennen. Bei der der liebende Gatte offenbar einige zwanghafte Macken aufweist. Andererseits verwirrt Victoria Sylvia mit unwirschen Zeichen und kaum verständlichen Wortbruchstücken.Im Hause spielen allerdings auch die bärbeißige Krankenpflegerin Eva und die fröhlich-flippige Reinigungskraft Maggie eine Rolle. Und nach dem so harmlosen Start entwickelt sich zunehmend eine hohe Sogwirkung und eine Reihe überraschender Erkenntnisse, die alles in Frage stellen. Dabei ist Sylvia lange überzeugt: „Victoria hat zwar Pech gehabt. Aber was Ehemänner angeht, hat sie das große Los gezogen.“ Mit immer neuen Wendungen offenbart sich allmählich, wie brüchig diese vermeintliche Idylle ist und umso drängender wird die Frage: wem kann man hier wirklich vertrauen? - Diese Antwort aber soll hier nicht verraten werden, denn es bleibt spannend bis zuletzt.Fazit: das ist Hochspannungsliteratur vom Feinsten, lebensprall geschrieben und absolut filmreif.
# Freida McFadden: Die Ehefrau – was hat sie zu verbergen? (aus dem amerikanischen von Frank Dabrock); 412 Seiten, Klappenbroschur; Heyne Verlag, München; € 17WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)