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HORST ECKTERT: „DIE PRAKTIKANTIN“
Carla Bergmann ergattert einen Praktikumsplatz in der Lokalredaktion der großen Düsseldorfer Tageszeitung „Morgenpost“. Die 25-Jährige hat zwar einen Bachelorgrad in Medien und Kulturwissenschaften, für den Glücksgriff musste die ehemalige Klimaaktivistin allerdings ihren Lebenslauf ein wenig glätten.
Sie steht nun im Mittelpunkt von Horst Eckerts jüngstem Thriller „Die Praktikantin“. Natürlich muss sich die Anfängerin erst einmal um Kleinkram kümmern, um die dürren Meldungen der Polizeiberichte.
Darunter auch einen über den Einbruch in ein Büro, bei dem zwei Männer verhaftet wurden. Als Carla wegen näheren Details im Polizeipräsidium anruft, wird ihr erklärt: „Es gab kein Delikt.“ Die Festgenommenen seien wieder entlassen worden.
Der ruppige Ton der Polizeisprecherin aber macht Carla stutzig und als sie einen alten Bekannten bei der Polizei kontaktiert, erfährt sie, dass der Staatsschutz entschieden haben dass es keinen Fall gebe. Was Carla nun erst recht neugieri

g macht. Und sie findet heraus, dass der Einbruch dem Büro einer von Exilrussen dezent betriebenen Zeitung galt.
Nichts wurde dort gestohlen, aber vielleicht etwas hinterlassen?! Tatsächlich bekommt Carla Kontakt zu dem zuletzt sehr nervösen Mitarbeiter Artem Woronin, einem übergelaufenen russischen Hubschrauberpiloten. Er will ihr höchst brisante Unterlagen zukommen lassen, doch gerade als Carla die Tiefgarage der „Morgenpost“ betritt, hört sie Schüsse und dann stirbt der Informant in ihren Armen.
Was gleich an ihrem ersten Tag als Journalsitin zu zwei unverhofften Dingen führt: ihre Story wird zum Aufmacher und sie erhält das Interesse und die Unterstützung von Jan Koller. Als eine Art lebende Legende hat es sich der 50-jährige Investigativjournalist nach vielen erfolgen inzwischen als Chef des Hauptstadtbüros der Zeitung etwas bequemer gemacht.
Gerade auch durch diese Hauptaufgabe fließt viel fiktionalisierte aber sehr reale Politik in den Roman ein und der spielt in den hektischen Tagen, als im November 2024 die Ampel-Koalition zerbricht. Gleichwohl erkennt Koller sofort das Talent Carals, mit sie auf immer neue Spuren stößt und etwas daraus zu machen versteht.
Die besonders mit dem Ukraine-Krieg zu tun haben, denn der Ermordete hatte offenbar an sehr heiklen Informationen gearbeitet. Die nicht nur mit massiver Korruption in Kiewer Geheimdienstkreisen zu tun haben, denn Carla erfährt von merkwürdigen Verflechtungen in deutschen Rüstungskreisen.
Bis hierhin hat dieser exzellent recherchierte Politthriller in seinem rasanten Wechsel der Perspektiven zwischen Carla und Koller längst eine unentrinnbare Sogwirkung entwickelt. Zumal Koller gesteckt wird: „Nicht nur die Russen waren hinter Artem her.“
Und die gewagten Recherchen der Beiden – fortgesetzt entgegen Anweisungen „von ganz oben“ - laufen nicht nur heiß, sie werden lebensgefährlich. Da eröffnen sich nämlich ganz andere Dimensionen, in denen Geheimdienst, Rüstungskonzerne und die streng geheime NATO-Agenda „Argo“ eine heikle Rolle spielen.
Zu all der sioch immer mehr auftürmenden Hochspannung mit diesen Entwicklungen gesellt sich noch die hochinteressante Welt der Medienhäuser. Horst Eckert war selbst viele Jahre TV-Journalist und er schildert den gravierenden Umbruch in der Presselandschaft.
Wo die Printausgaben als Verlustbringer ebenso verdrängt werden sollen wie die meisten der Journalisten, zumal die KI so vieles angeblich genauso gut und viel billiger kann. Investigativjournalismus allerdings bestimmt nicht und der feiert in diesem höchst realen Politthriller einen Glanzpunkt.
Fazit: „Die Praktikantin“ ist ein Meisterwerk des Genres auf internationalem Niveau, bietet in seiner packenden Geschichte hinreißende Akteure auf und ist zudem absolut filmreif.

 

# Horst Eckert: Die Praktikantin; 381 Seiten, Klappenbroschur; Heyne Verlag, München; € 17
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)