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NORA ROBERTS: „JENSEITS DES HORIZONTS“
Romantik mit Spannung durch kriminelle Handlungsanteile, diese Mischung hat Nora Roberts zu einer der erfolgreichsten Autorinnen weltweit gemacht. Und das gilt nun auch für ihren jüngsten Roman unter dem Titel „Jenseits des Horizonts“.
Der beginnt mit dem Tod von Sloan Cooper, sehr befähigte Ermittlerin der NRP (Natural Resources Police). Sie und ihr Kollege Joel sind auf dem Rückweg von einem Einsatz, als Sloan zufällig auf einen Tankstellenräuber stößt, der sofort schießt.
Nur dank Joels schnellem sachkundigen Eingreifen und einem starken Team im Krankenhaus kann Sloan aus dem Herzstillstand zurückgeholt werden. Danach aber steht ein erschöpfender Weg zurück zur Dienstfähigkeit bevor.
Zu dem ihre Eltern sie zu sich nach Hause hoilen, einem Ferienresort in den Bergen des idyllischen Marylands. Ausführlich wird Sloans Kampf um Erholung geschildert, während zu gleicher Zeit in der Nähe Nash Littlefield das heruntergekommene Parker-Anwesen am Mirror Lake kauft.
Der Finanzmanager aus New York ist ein echter Aussteiger und umgehend schließt sich ihm sein Bruder Theo an, der die Hetze als erfolgreicher Anwalt ebenfalls leid ist. Gemeinsam wollen sie nun nicht nur das Anwesen restaurieren sondern auch beruflich als „Die Doppelwupper“ handwerklich tätig werden.
Bis hierher liest sich das so angenehm mit viel Privatem und viel Natur wie ein sogenannter Cozy Crime. Dann aber blitzt erstmals eine dritte Ebene auf mit einer ersten Gänsehautpassage. Da erwacht die junge Janet, erst seit kurzem glücklich verheiratet, angeschnallt in einem Krankenhausbett. Dunkel erinnert sie sich, dass sie mitten auf dem Supermarktparkplatz entführt wurde.
Jetzt stehen da Krankenschwester Clara und Pfleger Sam und wollen von ihr geschildert bekommen, an was sie sich von ihrem Bootsunfall. Sie war quasi bereits tot, dann aber doch noch gerettet worden. „Dass Sie noch auf dieser Welt sind, ist wider die Natur.“
Und dann das salbungsvolle Verdikt: „Nur Gott kann das Wunder der Auferstehung vollbringen.“ Womit das monströse Paar ihr Kanülen in den Armbeugen anlegt, um sie ausbluten zu lassen.
Nach diesem krassen Sprung aus der Idylle geht es zunächst wieder weiter mit Sloan und den Brüdern Littlefield, die einander bald auch persönlich begegnen. Einerseits entwickelt sich daraus eine zunehmend prickelnde Beziehung zwischen Nash und Sloan, die jedoch hört auch vom rätselhaften Verschwinden Janets.
Was der gewieften Ermittlerin keine Ruhe lässt und tatsächlich stößt sie auf ihr zugänglichen Kanälen auf weitere Fälle spurlos Verschwundener in ganz Maryland sowie in West Virginia und Pennsylvania.
Und in einer Dramaturgie, die einen immer wieder neuen Eröffnungen entgegenfiebern lässt, tauchen Clara und Sam erneut auf. Vollkommen überzeugt von ihrer abstrusen Mission, werden sie weiter „tätig“, und es sei auch nicht vergessen, dass ja auch Sloan ins Leben zurückgeholt worden ist...
Einerseits sorgt die Beziehung zwischen Sloan und Nash für angenehme Spannung, andererseits aber treibt die Jagd auf das überaus effektive Wahnsinnspaar auf ein packendes Finale zu. Fazit: ein souverän geschriebener sehr unterhaltsamer Roman mit viel Romantik aber auch aufwühlender Krimi-Würze.


# Nora Roberts: Jenseits des Horizonts (aus dem Amerikansichen von Christiane Burkhardt); 511 Seiten; Heyne Verlag, München: € 22
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)