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PERRY CHAFE: „SOMMER AUF PERIGO ISLAND“
Es beginnt mit einem Prolog drei Jahre vor der eigentlichen Geschichte, als Pierce Jacobs von Perigo Island, einer Insel vor Neufundland, heimlich hinausfahren will, um zu erkunden, wo sein verschollener Vater geblieben sein könnte.
Doch der Neunjährige zaudert und so erfährt die zufällig hinzugekommene, drei Jahre ältere Anna als einziger Mensch, dass er eine panische Angst vor dem offenen Meer hat. Eben seit dem rätselhaften Verschwinden seines Vaters, dessen Fischkutter unbeschädigt aufgefunden worden war.
Damit beginnt sommer auf Perigo Island“, der Debütroman des kanadischen Drehbuchautors Perry Chafe. Der dann ins Jahr 1991 und zu Pierce und seinen Freunden Bennie und Thomas führt. Die Jungs bessern mit dem Verkauf von Kabeljauzungen ihr Taschengeld auf.
Das gesamte Leben auf der Insel ist vom Fischfang geprägt und wer nicht zum Fangen rausfährt, arbeitet in der Fischverarbeitung wie Pierces Mutter. Jetzt aber herrscht große Aufregung, denn die Anna aus dem Prolog wird vermisst, mit der Pierce seit jener Begegnung ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt hatte.
Allerdings gibt es da jetzt ein anderes Mädchen, das seine Gedanken zunehmend verwirrt, seine Cousine Emily, die aus New York zu Besuch ist. Sie und die drei Freunde haben ab sofort nur noch ein Hauptinteresse: die Suche nach Anna.
Und sie haben auch einen Verdacht, denn da haust ein seltsamer älterer Mann vom Festland in einer Hütte. Niemand scheint so recht zu wissen, was mit diesem Solomon Vickers auf sich hat. Oder steckt doch eher der Rüpel Ross mit seinen Kumpanen dahinter, der schon immer bösartig war?
Doch dies ist kein Krimi und auch keine Geschichte wilder Ereignisse. Vielmehr entfaltet sich ein subtiler Entwicklungsroman. Bei dem die großartigen Naturbeschreibungen und die Schilderung vom Fischfang und dem rauen Meer authentisch und sehr atmosphärisch fesseln.
Wobei nicht nur viel Nostalgie bei diesen Erinnerungen des inzwischen erwachsenen Pierce sondern vor allem auch die Faszination eine zentrale Rolle spielt, die der Mann mit den vielen Geheimnissen offenbart: Solomon Vickers ist nämlich kein Schurke sondern ein Meeresbiologe mit einem wunderbaren Schatz an Wissen.
Fazit: „Sommer auf Perigo Island“ ist ein melancholischer Roman von gediegener Schönheit.


# Perry Chafe: Sommer auf Perigo Island (aus dem Englischen von Claudia Feldmann); 267 Seiten; marebuchverlag, Hamburg; € 24
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)