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TIBOR RODE: „ANIMAL – SPRICH OPDER STIRB“
Tibor Rode ist Rechtsanwalt und Schriftsteller. Beides vermengt er gern gewinnbringend in Thrillern, die sich kontroversen Themen widmen. Im neuest Roman klingt dabei manches arg futuristisch, ist nach seinen Recherchen aber längst wissenschaftlich im Kommen.
Der Titel lautet diesmal „Animal – Sprich oder stirb“ und im Mittelpunkt steht tatsächlich die Zhuchtsau Rosa. Die spricht im kurzen Prolog über ihre Qualen im engen Verschlag. Und dieses Leiden ist es, das Tierschutzaktivisten dazu gebracht hat, einen Musterprozess gegen GoedFarms, den niederländischen Agrarkonzern, dem das Tier gehört, loszutreten.
Auf Rosas Seite kämpfen der in Ehren ergraute Anwalt Rabenstein und seine Assistentin Enna, die bewusst eine „269“ als Tätowierung auf dem Unterarm trägt, denn sie ist bekennende Tierschutzaktivistin. Ziel ist, vorm Landgericht Hamburg per Urteil exemplarisch bessere Lebensbedingungen für das Tier einzuklagen.
Auf Seiten ders beklagten Konzerns wird zwar eine mächtige Großkanzlei eingeschaltet, die allerdings beauftragt Neuling Ben Lorenz mit der Wahrnehmung. Felsenfest ist man überzeugt: Tiere gelten nach dem Gesetz als Sache, wie also sollte Rosa einen Prozess führen k oder gar gewinnen können.
Während es einerseits auch einige recht bösartige Seitenstränge in der Geschichte gibt bis hin zu Erpressung und tätlichen Angriffen, entfaltet der Hauptstrang einen regelrechten Gerichtsthriller. Bei dem es den Klägern als erstes einmal darum gehen muss, sicherzustellen, dass Roas nicht einfach geschlachtet wird, um dem Klageversuch den Boden zu entziehen.
Dann aber der eigentliche Clou im Gerichtsverfahren, das wegen der verrückt erscheinenden Konstellation von Beginn an großes Medieninteresse weckt. Die zentrale Frage für die Zulassung der Klage ist, ob Rosa überhaupt als eigene Rechtsperson prozessieren kann, denn grundsätzlich gelten Tiere nicht als sogenannte Rechtssubjekte.
Um so spannender wird nun der Versuch, Rosa als Subjekt mit eigenem Bewusstsein gerichtlich anerkannt zu bekommen – indem sie nämlich spricht! Hier kommt der Algorithmus Jules ins Spiel, mit dem Wissenschaftler in einem Institut per Künstlicher Intelligenz eine Sprachübersetzung ermöglichen, eine Art „Google Translate für Tiere“.
Man hat Stimmenlaute Rosas aus deren Stall herausgeschmuggelt und im „Wild Link Project“ in Mexiko mit Hilfe der KI in verständliche Sprache übertragen. Hört sich einfacher an, als es war, denn der Agrarkonzern ist alles andere als zimperlich mit seinen Methoden gegen einen solchen möglicherweise revolutionären Prozess und die reichen bis hin zu Sabotage.
Ob Zuchtsau Rosa wirklich eine Chance vor Gericht bekommt, sei hier nicht verraten. Es bleibt fesselnd bis zuletzt. Und wie gesagt: das alles mag noch in der Zukunft liegen, doch Tibor Rode versichert: es ist keine utopische Spinnerei.


# Tibor Rode: Animal – Sprich oder stirb; 476 Seiten, Klappenbroschur; Droemer Verlag, München; € 18

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)