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TRACY ROSE PEYTON: „UM UNS NUR DUNKELHEIT“
„Der erste Winter in diesem fremden Land“ lässt sechs Frauen im rauen texanischen Klima leiden. Man schreibt das Jahr 1852 und man hat sie vor einigen Monaten aus verschiedenen Regionen Afrikas als Sklavinnen hierher verschleppt. Diese Frauen, die ein elendes Schicksal auf die bescheidene Farm im Navarro County verschlagen hat, erzählen nun eine außergewöhnliche Geschichte von Angst, Leid, Entbehrung und Verzweiflung und zugleich von Entschlossenheit und Widerstand.„Um uns nur Dunkelheit“ lautet der Titel des Debütromans von US-Autorin Tracy Rose Peyton, der mit seiner besonderen Erzählstimme zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, dann aber eine regelrechte eigentümliche Sogwirkung entwickelt. Die Wir-Erzählerinnen sind Serah, Alice, Junie, Patience, Lulu und die schön etwas ältere Nan. Die abgelegene Baumwollplantage, auf der sie schuften müssen, gehört den Luzis. Die richtigen Namen lauten zwar Charles und Lucie Harlow, doch für die Sechs sind sie einfach Verwandte Luzifers, also des Teufels.Die fünf Jüngeren müssen auch schwerste Arbeiten wie männliche Sklaven verrichten, denn der ebenso unfähige wie erfolglose Harlow hat keine weiteren Sklaven. Wobei es Nan insofern etwas besser hat, als sie kochen und als Hebamme dienen kann. Nun jedoch hat ein Sklavenhändler in der Stadt Harlow auf eine perfide „Geschäftsidee“ gebracht; wenn er kein Geld für den Kauf importierter Arbeitssklaven hat, muss er sich die eben selbst züchten in Form von Nachwuchs der eigenen Sklavinnen.Die Sechs sind allerdings trotz aller Ungleichheiten von Herkunft und bisherigem Schicksal inzwischen zu einer immer eingeschworeneren Gruppe geworden. Als die Luzis jetzt also tatsächlich mit dem hünenhaften Zeke einen reisenden „Zuchtnigger“ auf die Farm holen, können sich die Frauen dessen Dienstverrichtung natürlich nicht entziehen. Aber – sie entwickeln einen düsteren Widerstandsgeist. Insbesondere die in Naturheilkunde und sonstigen nützlichen Mittelchen kundige Nan führt die fünf anderen zu Ritualen in den Wald. Zu den Beschwörungen aber kommen vor allem Maßnahmen, die erstaunlich hilfreich wirken.So kauen die Frauen unter anderem heimlich ständig auf Baumwollwurzeln. Und dieser Widerstand fruchtet so nachhaltig, dass die Luzis schließlich zu neuen Maßnahmen greifen müssen, nämlich zu Zwangsehen. Als die erst 17-jährige Serah dann wirklich schwanger wird, ist dies jedoch die Folge einer diskreten Affäre mit einem anderen als ihrem Zwangsgatten. Ein Happyend allerdings kann es in diesen Zeiten und unter diesen Umständen nicht geben und so steigert sich die zutiefst bewegende Geschichte zu einem dramatischen Finale, das nicht alle überleben.Dieser Roman mit seinen konturenstarken Protagonistinnen reißt mit schleichender Spannung mit. Doch es schwere Kost, denn natürlich spart er auch nicht aus, welch erschreckende Grausamkeiten und Entmenschlichungen gewissermaßen zum Alltag für Sklaven gehörten. Das alles wird mit einer geradezu sarkastischen Nüchternheit erzählt, nur unterbrochen von Passagen von spröder Poesie. Und wenn des öfteren das verpönte Wort „Nigger“ genutzt wird, so ist das lediglich dem damals authentischen Sprachgebrauch für jegliche Schwarzafrikaner geschuldet.
# Tracy Rose Peyton: Um uns nur Dunkelheit (aus dem Amerikanischen von Agnes Krup); 394 Seiten; Aufbau Verlag, Berlin; € 25WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)