
HEPBURN FERRER/HOLDEN: „AUDREY“
Audrey Hepburn (1929-1993) war eine der meistfotografierten Frauen und als Schauspielerin wie als Mode-Ikone gehört sie noch heute zu den ganz Großen. Und natürlich gibt es dutzendweise Bücher über sie, ihr Leben und ihre Karriere.
Trotzdem oder auch gerade deshalb veröffentlichte nun Sean Hepburn Ferrer, ihr 1960 in der Ehe mit dem Schauspielkollegen Mel Ferrer geborener erster Sohn eine Biografie über seine Mutter. Die erste autorisierte, wie er betont, und natürlich hat er Erinnerungen und private Quellen, die nur ihm zur Verfügung stehen.
„Audrey. Persönliche Einblicke in das Leben der Ikone“ lautet der Titel und verfasst hat er sie in Zusammenarbeit mit der vielfach versierten britischen Biografin Wendy Holden. Sein wichtigstes Motiv sei es gewesen, so manchen Mythen bis hin zu Märchengeschichten die Wahrheit entgegenzusetzen.
Und eines sei vorweg gesagt: diese Biografie ist sehr persönlich geraten und dazu – wenig verwunderlich – ausgesprochen subjektiv. Wobei eine Masche gewöhnungsbedürftig ist: jedes Kapitel beginnt Hepburn Ferrer mit einer Drehbuchszene, echten Ereignissen als Rekonstruktion nachempfunden oder schlicht erfunden (leider eher amateurhaft).
So wirkt auch das Eingangskapitel über Audrey Hepburns erste Reise nach Somalia in eines der Elendscamps mit verhungernden Kindern, als wolle der Sohn partout auf die Tränendrüsen drücken. Dabei waren diese entsetzlichen Begegnungen ja tatsächlich der Auslöser für das UNICEF-Engagement des längst im Ruhestand lebenden Weltstars.
Hieran schließt das Kapitel an, aus dem sich so viele Entwicklungen und Verhaltensweisen der stets überängstlichen Mutter und Männern gegenüber unsicheren Oscar-Preisträgerin erklären. Da ist zunächst der herbe Verlust des Vaters, der sich einfach absetzte, als sie eben sechs Jahre alt war.
Erst im Alter von 35 Jahren und längst weltberühmt, begegnet sie ihm wieder: er war kühl, wenig interessiert und ohne jedes Bedauern über sein Verhalten. Ähnlich prägend und zugleich mit lebenslangen physischen Folgen aber auch die Zeit, die sie im Zweiten Weltkrieg durchlitt.
Ausgerechnet die Tochter von Eltern, die sich als Hitler-Verehrer sogar der „British Union of Fascists“ angeschloosen hatten, überstand in den Nazi-besetzten Niederlanden, wohin die Mutter sie vor Kriegsausbruch aus Sicherheitsgründen umgesiedelt hatte, nur knapp mit extremer Unterernährung und Gelbsucht.
Die Schilderungen dieser traumatischen Prägungen beruhen auf höchst privaten Kenntnisse, wie sie eben nur ein Sohn eröffnen konnte. Und diese Passagen sind denn auch mit Abstand das Beste an dieser Biografie, die überwiegend eher eine Hommage an die geliebte Mutter mit entsprechend geringem Abstand ist.
Die Film- und Theaterarbeit des Weltstars wird nur aus der Sicht des in diesen Jahren in der Schweiz lebenden Sohnes beschrieben. Manche Details gerade auch in Bezug auf das Verhältnis zwischen der höchst disziplinierten Mutter und dem überehrgeizigen Vater bleiben oft blass.
Aber auch die Zeit nach der großen Karriere, die bald in die Enttäuschung abgleitende zweite Ehe sam Halbbruder Luca sowie der letzte Lebenspartner Hepburns erhalten wenig Konturen.
So beschränken sich die wirklichen Qualitäten dieser sehr eigenwilligen Biografie auf die Passagen über jene prägenden Kinder- und Jugendtage und die große Zahl sehr privater Fotos.
# Sean Hepburn Ferrer/Wendy Holden: Audrey. Persönliche Einblicke in das Leben der Ikone (aus dem Englischen von Renate Graßtat); 400 Seiten, div. Abb.; Piper Verlag, München; € 26
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS) HEPBURN FERRER/HOLDEN: „AUDREY“
Audrey Hepburn (1929-1993) war eine der meistfotografierten Frauen und als Schauspielerin wie als Mode-Ikone gehört sie noch heute zu den ganz Großen. Und natürlich gibt es dutzendweise Bücher über sie, ihr Leben und ihre Karriere.
Trotzdem oder auch gerade deshalb veröffentlichte nun Sean Hepburn Ferrer, ihr 1960 in der Ehe mit dem Schauspielkollegen Mel Ferrer geborener erster Sohn eine Biografie über seine Mutter. Die erste autorisierte, wie er betont, und natürlich hat er Erinnerungen und private Quellen, die nur ihm zur Verfügung stehen.
„Audrey. Persönliche Einblicke in das Leben der Ikone“ lautet der Titel und verfasst hat er sie in Zusammenarbeit mit der vielfach versierten britischen Biografin Wendy Holden. Sein wichtigstes Motiv sei es gewesen, so manchen Mythen bis hin zu Märchengeschichten die Wahrheit entgegenzusetzen.
Und eines sei vorweg gesagt: diese Biografie ist sehr persönlich geraten und dazu – wenig verwunderlich – ausgesprochen subjektiv. Wobei eine Masche gewöhnungsbedürftig ist: jedes Kapitel beginnt Hepburn Ferrer mit einer Drehbuchszene, echten Ereignissen als Rekonstruktion nachempfunden oder schlicht erfunden (leider eher amateurhaft).
So wirkt auch das Eingangskapitel über Audrey Hepburns erste Reise nach Somalia in eines der Elendscamps mit verhungernden Kindern, als wolle der Sohn partout auf die Tränendrüsen drücken. Dabei waren diese entsetzlichen Begegnungen ja tatsächlich der Auslöser für das UNICEF-Engagement des längst im Ruhestand lebenden Weltstars.
Hieran schließt das Kapitel an, aus dem sich so viele Entwicklungen und Verhaltensweisen der stets überängstlichen Mutter und Männern gegenüber unsicheren Oscar-Preisträgerin erklären. Da ist zunächst der herbe Verlust des Vaters, der sich einfach absetzte, als sie eben sechs Jahre alt war.
Erst im Alter von 35 Jahren und längst weltberühmt, begegnet sie ihm wieder: er war kühl, wenig interessiert und ohne jedes Bedauern über sein Verhalten. Ähnlich prägend und zugleich mit lebenslangen physischen Folgen aber auch die Zeit, die sie im Zweiten Weltkrieg durchlitt.
Ausgerechnet die Tochter von Eltern, die sich als Hitler-Verehrer sogar der „British Union of Fascists“ angeschloosen hatten, überstand in den Nazi-besetzten Niederlanden, wohin die Mutter sie vor Kriegsausbruch aus Sicherheitsgründen umgesiedelt hatte, nur knapp mit extremer Unterernährung und Gelbsucht.
Die Schilderungen dieser traumatischen Prägungen beruhen auf höchst privaten Kenntnisse, wie sie eben nur ein Sohn eröffnen konnte. Und diese Passagen sind denn auch mit Abstand das Beste an dieser Biografie, die überwiegend eher eine Hommage an die geliebte Mutter mit entsprechend geringem Abstand ist.
Die Film- und Theaterarbeit des Weltstars wird nur aus der Sicht des in diesen Jahren in der Schweiz lebenden Sohnes beschrieben. Manche Details gerade auch in Bezug auf das Verhältnis zwischen der höchst disziplinierten Mutter und dem überehrgeizigen Vater bleiben oft blass.
Aber auch die Zeit nach der großen Karriere, die bald in die Enttäuschung abgleitende zweite Ehe sam Halbbruder Luca sowie der letzte Lebenspartner Hepburns erhalten wenig Konturen.
So beschränken sich die wirklichen Qualitäten dieser sehr eigenwilligen Biografie auf die Passagen über jene prägenden Kinder- und Jugendtage und die große Zahl sehr privater Fotos.
# Sean Hepburn Ferrer/Wendy Holden: Audrey. Persönliche Einblicke in das Leben der Ikone (aus dem Englischen von Renate Graßtat); 400 Seiten, div. Abb.; Piper Verlag, München; € 26
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)