- Geschrieben von: Wolfgang A. Niemann
- Kategorie: Kinder- & Jugendbücher
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ANNETTE ROEDER: „FRAG PHILOMENA FREUD“
Ihr jüngstes Buch richtet Annette Roeder an junge Leser etwa ab zwölf Jahre und es führt nach Wien vor gut 100 Jahren. Dort treibt sich das Waisenkind Philomena herum, seit sie nach einer schrecklichen Zeit dem Waisenhaus entkommen konnte.
Der Titel lautet „Frag Philomena Freud“ und dass sich die 14-Jährige einfach diesen Nachnamen zugelegt hat, hat einen pfiffigen Grund: sie verdient sich ihren Lebensunterhalt als Schuhputzerin im 9. Bezirk Wiens und da meist direkt vor dem Haus mit der Praxis des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud.
Zum „Depperldoktor“, wie die Wiener ihn flapsig nennen, kommen natürlich nur betuchte Patienten – fast durchweg Frauen – und an ihnen verdient Philomena am besten mit ihrem Service. Und sie hört auch so allerhand an Gerüchten und das ein oder andere sogar unterm offenen Fenster des Professors.
Besonders gern spricht sie darüber mit ihrem speziellen Freund, dem Wachtmeister Wachs. Der gibt ihr auch immer mal wieder Warnhinweise, wenn Frau Schnürschuh vom Jugendamt erneut nach Philomena forscht, um sie wieder ins Waisenhaus einzusperren.
Nun aber geht ein sensationeller Mordfall durch die Presse und Philomena ist bestürzt, denn ausgerechnet die sehr freundliche Baronin Wallersee wurde umgebracht. Die hatte Philomena zuweilen unterstützt und ihr einmal sogar ein Paar Schuhe geschenkt. Die waren der Adoptivtochter Simonie zu klein geworden und nun wird ausgerechnet diese zarte 17-Jährige als Mörderin ihrer Wohltäterin festgenommen. Philomena will es einfach nicht glauben, denn sie kennt diese Simonie noch aus gemeinsamen Tagen im Waisenhaus als besonders feinfühlig.
Und als Philomena auch noch von der Tatwaffe hört, steht für sie fest, dass Simonie nicht die Täterin sein kann. Mit einer Haarnadel wurde die sehr reiche alte Dame erstochen, die mit einer diamantenen Spinne verziert war. Aber – Simonie hatte stets eine wahnsinnige Angst vor Spinnen!
Um so eifriger forscht Philomena nun überall herum und bei Professor Freud hat sie ja auch einiges erlauschen können. Da gibt es eine Schwester der Baronin und vor allem einen Neffen, der nur etwas erben könnte, wenn Simonie auf Dauer in der Nervenheilanstalt bleiben müsste, in die man die einstige Patientin des Professors eingesperrt hat.
Da wird es zuweilen sogar gefährlich, mehr aber sei hier nicht verraten. Und wenn man liest, dass diese Geschichte den Untertitel „Die Perlenspinne“ trägt und als Folge 1 gilt, weiß man zumindest, dass Philomena den Fall überlebt und weitere Abenteuer geben soll.
Das Besondere an Philomena Freud ist im Übrigen nicht nur die junge Detektivin selbst, sondern ihr ganzes Umfeld. Das wird mit Witz und Charme und viel Wiener Schmäh wunderbar altmodisch erzählt, ist aber trotz der ruhigen Erzählweise spannend.
# Annette Roeder: Frag Philomena Freud – Die Perlenspinne; 259 Seiten; Knesebeck Verlag, München; € 18
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)

