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CG DREWS: „HAZELTHORN“
„Er weiß, wie es sich anfühlt, lebendig begraben zu sein.“ Wenn ein Roman mit einem solchen ersten Satz beginnt, ahnt man, dass hier Horror lauert. Und mehr als das, denn diese Geschichte ist von Botanical Dark Fantasy durchzogen.„Hazelthorn“ lautet der Titel und die australische Autorin CG Drews steigert sich gegenüber ihren vorherigen Erfolgen bei diesem düsteren Thriller für Jugendliche und junge Erwachsene noch einmal. Hazelthorn ist ein großer Herrensitz mit einem Garten voller bedrohlicher Pflanzen.Nachdem der 17-jährige Evander dort vor ein paar Jahren um ein Haar Opfer seines früheren Freundes Laurie geworden wäre, fristet er sein Dasein im Haus, abgeschlossen und nur versorgt vom unerfreulichen Butler Carrington. So eingesperrt hält ihn Mr. Byron Lennox-Hall, ein alter Mann, der meist auf Reisen ist.Als Evanders Eltern vor langer Zeit bei einem Autounfall umkamen – zusammen mit denen von Laurie – hatte der verschrobene reiche Alte ihn adoptiert. Laurie als sein leiblicher Enkel darf im Übrigen nur ins Haus kommen, wenn der Hausherr anwesend ist. Evander seinerseits leidet noch immer schwer an dem Vorfall im Garten, erhält regelmäßig schwere Medikamente und hat als Autist sehr eigenwillige Verhaltensweisen voller Ängste und wirrer Gedanken.Seit sieben Jahren hat er Laurie nicht mehr gesehen und noch immer empfindet er tiefen Hass gegen den einstigen engen Vertrauten, weil der ihn lebendig begraben wollte. Aber dennoch ist er auch „noch immer von ihm besessen.“ Dazu sei das Vorwort zitiert: „Es geht um die grausame Erfahrung, nicht selbstbestimmt leben zu dürfen, um ein tief sitzendes Schamgefühl und um die Qualen, die man leidet, bis man lernt, sich selbst anzunehmen.“ Das erklärt, wie sehr „Hazelthron“ von queerer, autistischer Wut geprägt ist, und davon, wie es sich anfühlt, in den Abgrund gestoßen zu werden.Und genau das passiert, als Evanders strenger Gönner in seinem Beisein erstickt. Und da ist dieser finstere Verdacht, dass es ein Giftmord gewesen könnte. Und der ebenso attraktive wie feindselige Laurie ist im Haus. Dann ist erstaunlicherweise jedoch Evander, den der Verstorbene als Erben eingesetzt hat und nicht der leibliche Enkel. Das stellt Evanders ganze Welt auf den Kopf und immer quälender verstrickt er sich in den blutigen Geheimnissen von Hazelthorn Manor. Noch bedrohlicher aber erscheinen die todbringenden Pflanzen aus diesem Garten des Grauens, die wahre Alpträume heraufbeschwören.Beherrscht von grausigen Bildern treibt das Geschehen mit schmerzvollen und verstörenden Emotionen immer tiefer in quälende Verzweiflung, zugleich begleitet von fiebrige Schönheit. Aber auch Laurie kämpft mit seinen Dämonen und Anfällen hellen Wahnsinns und Gewalt und auch bei ihm spielen erlebte Misshandlungen eine fatale Rolle. Mit düsterem Sog treibt das Geschehen so mit kaum erträglicher innerer Finsternis einem monströsen Ende entgegen.Man muss Horror und explizite Morbidität ertragen können, um diesen sprachlich exquisiten Ausflügen exaltierter Fantasien folgen zu können. Wer das jedoch mag, wird begeistert sein. Wegen des hohen Gewaltanteils ist dieser Jugendroman allerdings erst für junge Leser ab 16 Jahren sowie für junge Erwachsene zu empfehlen.

# CG Drews: Hazelthorn (aus dem Englischen von Britta Keil); 394 Seiten; Fischer Sauerländer Verlag, Frankfurt; € 19,90

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)