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FRANZISKA HÖRNER: „...UND MIR BLEIBT DER HÄSSLICHE HUND“
„Zwischen Bolt und mir gab es eine stumme Übereinkunft, dass wir uns nicht mochten und nichts miteinander zu tun hatten, außer unter demselben Dach zu wohnen.“ Nun aber ist alles schlagartig völlig anders geworden und Felix muss sich um den fetten Vierbeiner kümmern.
Damit beginnt „...und mir bleibt der hässliche Hund“, der Debütroman von Franziska Hörner, im Hauptberuf Elefantenforscherin. So witzig der Titel klingen mag, das Thema ist ernst und traurig, denn Bolt war der Liebling von Felix Schwester, die vor drei Monaten zusammen mit den Eltern tödlich verunglückt ist.
Der 17-jährige Ich-Erzähler versinkt in einer Art Schockstarre und verkriecht sich die meiste Zeit mit Trauer, Wut und Angst in seinem Zimmer. Da wird Bolt sogar zu einem Schlüssel dafür, sich nicht gänzlich aus der Welt auszuschließen, denn der braucht Futter und hin und wieder Auslauf.
Zwar wohnt Tante Becca mit ihrem Freund inzwischen mit im Haus, allerdings arbeitet sie viel und ist zudem eine lausige Köchin. Die Nahrungszufuhr aber ist bei Bolt offenbar noch problematischer als bei Felix. Egal, was er ihm vorsetzt, der Hund nimmt ab.
Als Felix Tante Becca berichtet, dass Bolt offenbar durch den Verlust Depressionen bekommen habe, meldet sie die Beiden zur Therapie an. Und Felix geht hin zu dieser Frau Rose, obwohl ihm klar ist, dass es sich um eine Praxis für Kinder- und Jugendtherapie handelt.
Dort lernt er dann Mo kennen, ebenfalls in Therapie. Der Flüchtlingsjunge aus Syrien führt sich mit genau dem richtigen Spruch bei Felix ein: „Das ist ja mal'n hässlicher Hund.“ So direkt hatte das wohl noch nie jemand ausgesprochen. Außer Felix selbst.
Woraus bald eine Freundschaft entsteht, zumal auch Mo seine tieferen Gründe für den regelmäßigen Besuch bei der Therapeutin hat. Und zuweilen wie Felix unter Panikattacken leidet. Gemeinsam lernen sie in einem Drogeriemarkt dann noch die lebenslustige Marie kennen und sie erleben zu Dritt manche Abenteuer.
Wie die traumatisierten Jungen allmählich wieder ins Leben zurückfinden – und Felix zu Marie erste romantische Gefühle – das ist mit großem Ernst und sehr glaubhaft, aber auch mit der ein oder anderen Prise trockenen Humors erzählt.
Doch auch die schweren Themen wie Verlust, Trauerbewältigung und Depressionen werden einschließlich authentischer Therapiegesprächen nie erdrückend dargestellt, überraschen vielmehr mit einer lebensbejahenden Leichtigkeit. Fazit: ein hervorragendes Buch zum Thema und das nicht nur für Teenager.


# Franziska Hörner: ...und mir bleibt der hässliche Hund; 256 Seiten, Klappenbroschur; Thienemann Verlag, Stuttgart; € 14

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)