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JORDAN LEES: „WHISPERWICKS. DIE SUCHE NACH DEN FLÜSTERFLAMMEN“
Es beginnt mit dem Riss in der Wand, der Edwid Cotton irritiert. Und dessen eindringliches Flüstern ihn bald unentrinnbar in eine Parallelwelt zieht.
Das Verschwinden des Elfjährigen ist aber nur der Prolog des Fantasyromans „Whisperwicks. Die Suche nach den Flüsterflammen“ von Jordan Lees. Dann nämlich wechselt das Geschehen zu Benjamiah Creek, der über der Buchhandlung mit dem schönen Namen „Es war einmal“ wohnt, die seiner Großmutter gehört.
Er liebt es, ihr darin zu helfen und in all den Büchern zu stöbern. Lesen allerdings mag er nur spannende wissenschaftliche Bücher, denn von Wissenschaft und Logik ist er begeistert, von Zauberkram und magischem Firlefanz dagegen hält er gar nichts.
Bis ausgerechnet er eines Tages ein mysteriöses Paket erhält mit einer seltsamen Puppe darin. Als die nun plötzlich zum Leben erwacht und sich in ein Tier verwandelt, landet er unversehens in Winkelwald, eben jener Parallelwelt, in der Edwid Cotton verschwunden ist.
Hier ist alles anders in einem Wirrwarr von Labyrinthen, unheimlichen Geheimnissen und dunklen Gefahren. Die Menschen tragen alle sogenannte Seelenpuppen an der Hüfte – deren besonderes Mysterium besondere Vorsätze vor jedem Kapitel enthüllen, die Auszüge aus „Eine kurze Geschichte von Winkelwald, berichtet vom Erzgelehrten Collum Wolfstochter.“
Bevor Benjamiahs Staunen und Verwirrung über all diese irren Erscheinen endgültig in grenzenloses Grauen umschlägt, begegnet er zum Glück Hansel Cotton, dem Vater von Edwid. Der nimmt sich seiner an, worüber Elizabella, seine Tochter und die Zwillingsschwester von Edwid, erst eher ungehalten ist.
Doch mit seiner ganz anderen Art zu denken will er sie bei ihrer Suche nach dem Bruder unterstützen. Und schon geraten sie gemeinsam in ein finsteres Abenteuer mit düster mythischen Überraschungen, vor allem aber auch auf Wesen, die sich ständig verwandeln und von ausgemachter Bösartigkeit sind.
Die Atmosphäre ist dicht und unheimlich und nicht nur die Seelenpuppen erweisen sich als heimtückisch wandlungsfähig. Da laufen Gehängte Männer herum und auch sonst herrscht von Anfang an Grusel und der steigert sich von mal zu mal, wenn da schlimme Bestien angreifen. Es ist eine sehr eigene, reichlich ungemütliche Welt, mit großartigen Ideen und Details von Autor Lees erfunden.
Ob es nach dem dramatischen Finale endlich ein Happyend gibt, soll hier nicht verraten werden. Eine gute Nachricht aber gibt es zu diesem gelungenen Debütroman: dies war erst der ebenso wüste wie mitreißende Auftakt für weitere Whisperwicks-Abenteuer!


# Jordan Lees: Whisperwicks. Die Suche nach den Flüsterflammen (aus dem Englischen von Tamara Reisinger); 471 Seiten, ill.; Penguin Junior, München; € 17
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)