
TAHEREH MAFI: „FERNERLAND“
Die US-Autorin Tahereh Mafi hatte bereits zahlreiche Erfolge mit Fantasy-Büchern. Vor zehn Jahren jedoch wagte sie sich an eine Geschichte, deren Heldin sie ganz bewusst Alice nannte – genau wie die aus dem Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“.
„Fernerland“ heißt Mafis wundersame Welt, in die sie ihre 12-jährige Alice stellt. Die hat von Geburt her ein ganz großes Problem: ihre Haut und ihre Haare sind völlig weiß und selbst ihre Augen haben nur einen Schimmer von Honigfarbe.
Und das in Ferenwald, wo Farbe und Magie einfach alles sind. Da gilt eine wie Alice gewissermaßen als unterbelichtet Außenseiterin. Doch auch abgesehen von der überschäumenden Farbigkeit allen Lebens in Ferenwald ist dies eine verrückte Welt, in der irgendwie alles verkehrt herum ist und zum Beispiel die Sonnen regnet.
Alice hat jedoch noch anderes zu ertragen, was sie bedrückt, und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass sie und ihre Mutter einander nicht mögen, ist ihr geliebter Vater spurlos verschwunden. So ist sie selbst für Ferenwalder Verhältnisse ein sonderbares Wesen.
Bis sie dem recht unzuverlässigen, um ein Jahr älteren Oliver wiederbegegnet, der sie durch eine magische Tür in eine andere Welt bringt – in jenes Fernerland, in dem offenbar ihr Vater verschwunden ist. Diese Welt aber erweist sich als noch viel schräger als Ferenwald, allerdings außerdem auch noch als gefährlich. Irre Regeln gelten hier, wo oben unten ist, Papier lebendig ist und noch vieles mehr. Noch fantastischer gestaltet sich hier jede Minute ihres Abenteuers.
Von Beginn an ist die Erzählweise dieses Romans als ausgesprochen märchenhaft und man spürt nicht nur die Nähe zur ursprünglichen „Alice im Wunderland“, man spürt vor allem auch den orientalischen Hintergrund der iranisch-stämmigen Autorin.
Natürlich gibt es auch ein Happyend für diese vor bunter Fantasie sprühender Geschichte, die gegen Ende immer dramatischer wird., Fazit: ein ungewöhnliches und durchweg märchenhaftes Kinderbuch wie von ganz früher, das junge Leser ab etwa 10 Jahre gleichwohl bis zuletzt fesseln dürfte.
# Tahereh Mafi: Fernerland (aus dem Amerikanischen von Bettina Olbrecht); 411 Seiten, ill.; cbj Verlag, München; € 18
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)